Sonntag, 5. April 2009
Wo sind eigentlich meine ganzen Socken?
Wo sind eigentlich meine ganzen Socken?
Ich habe mich ja früher immer gewundert, wenn man bei Galileo, Welt der Wunder und Clever die Frage diskutiert hat, waurm eigentlich ständig Socken beim Waschen aus der Waschmaschine verschwinden. Das kann ja schließlich nicht so schwer sein, einen Haufen Wäschee hinterher auch wieder komplett (und vor allen Dingen sauber) in den Schrank zu räumen. Mit eben jenen Gedanken sitze ich hier und betrache nun insgesamt drei unterschiedliche Socken, zu denen mir das Gegenstück fehlt. In etwas mehr als 6 Monaten nur drei Socken zu verlieren mag vllt. für den ein oder anderen ein guter Schnitt sein, Fakt ist, dass ich aber auch erst drei mal hier an der Akademie gewaschen habe. Sonst macht das immer meine Mama zu Hause und da fehlt komischerweise nie eine Socke. Pro selbstausgeführten Waschgang eine Socke zu verlieren ist für MICH jedenfalls kein guter Schnitt und außerdem ist die Frage nicht geklärt, wohin die Gegenstücke verschwunden sind. Ich frage mich, ob es die Socken vllt auch irgendwann Leid sind, Socken zu sein und einfach abhauen ... aber Unterhosen fehlen mir eigentlich nie.
Was hat das ganze mit Flugsicherung zu tun? Gar nichts, genau. Also komme ich mal wieder zurück zu dem Thema, das dieser Blog ja eigentlich auch behandeln soll: Socken ... äääh, Flugsicherung, meinte ich.
Was hat sich getan in den letzten Wochen? Nun, eine ganze Menge. Wir sind ja jetzt im BASIM 3. Im Gegensatz zum alten BASIM, der sich mit viel Holz, Spanholzplatten und muffiger Luft auszeichnete, siehts im Basim 3 schon fast ein bisschen aus, wie unsere zukünftigen Arbeitsplätze. Die farbliche Gestaltung jedenfalls stimmt schonmal, es gibt TIDs, die Bildschirme sind viel größer und überhaupt hat man viel mehr Platz. Geflaggte Streifen fliegen dem Co-Ordinator nicht mehr an den Kopf, wenn man versucht drauf zu schreiben (-> Hebelwirkung) und etwas mehr Licht kommt auch rein. Trotzdem vermisse ich manchmal die Sonnenbrille, wenn ich aus dem Sim komme. Ein Umstand, der sich wohl durch meine komplette Berufskarriere als Radarlotse ziehen wird.
Wichtigste Neuerung für uns: Wir arbeiten nicht mehr alleine, sondern nun mit Co-Ordinator. D.h. während ich brav auf mein Radar schaue, Flieger durch den Luftraum schäuche und versuche Konflikte zu lösen, telefoniert mein CoO mit Nachbarsekoren, erbittet freigeben, Flieger bereits in seinem Luftraum drehen zu dürfen oder sie auf einem anderen Level zu schicken, weil da doch einer entgegen kommt. Was auch oft vorkommt, dass der Nachbarsekor uns anruft und eine Revision durchgibt. D.h. der Flieger kommt anders, als es auf dem Flugstreifen steht. Zu spät, zu früh oder anderer Level. Und, wie sollte es dann anders sein, entsteht dadurch ein neuer möglicher Konflikt, den es vom Co zu erkennen und vom Radar zu lösen gilt. Konflikte (die auf den Streifen mit großen roten Ws gekennzeichnet werden, entstehen, wenn sich zwei Flieger innerhalb von 10 Minuten (10 Minuten wegen der konventionellen Staffelung, d.h. Staffelung nach Zeit) im selben Level über dem selben Punkt befinden. Natürlich passt das jedes mal genau so, dass die beiden sich genau treffen würden, selbst wenn die beiden Flieger erwartet drei Minuten auseinander liegen. Würden sie pünktlich sein, wäre da eine ganze Menge Platz zwischen. Nehmen wir an, ein Flieger fliegt mit 480 Knoten, d.h. er macht 8 Meilen in der Minute, bei drei Minuten sind das 24 Meilen, bei erforderdlichen fünf! Passt, würde ich sagen. Doch leider ist der eine immer zu früh, der andere zu spät, und dann wird aus 24 Meilen ganz schnell 2.4 Meilen.
Übrigens ist das ein kleiner Teil von den Rechnung, die wir die ganze Zeit anstellen. Wie weit ist das, wie schnell fliegt der Flieger, wie lange braucht er, passt das? Wann muss ich ihn sinken lassen, braucht er eine Sinkrate, ist er schneller als der davor fliegende (denn alle Flieger müssen an den Nachbarsektor mit 10/15 Meilen oder mehr 'constant or increasing' abgeben werden, sofern wir keine 10 Minuten dazwischen habe. Was 10 Minuten bei 490 Knoten sind, kann sich jeder selber ausrechnen.
Wenn man diese Rechnung so aufschreibt, drüber nachdenkt und ein bisschen geübt hat, möchte man meinen, dass das doch total einfach ist. Ja, im Grunde ist es das auch. Aber wenn dann noch zwei Flieger reinrufen, drei weitere weggeschickt werden müssen, sich da noch zwei weitere Konflikte anbahnen und der Co mit seinem Stift auf einem Streifen rumklopft, weil er mir was zeigen will, dann ist es gut, eine gewisse Mehrfahrbelastbarkeit mit sich zu bringen. Dass der Coach auch noch oft dazwischen redet, daran hat man sich ja inzwischen gewöhnt.
In neuen Sektoren arbeiten wir übrigens auch. Im Basic hatten wir ja den Sektor um und über Frankfurt (der bei uns Langen International heißt), inzwischen sitzen wir in WurL (Würzburg Low). Die Herausforderung hier ist nicht An - und Abflugkontrolle, sondern viel mehr, Abflüge aus Langen, die sich bereits auf 13.000 Fuß befinden durch kreuzenden Verkehr hoch zu nehmen, Stuttgart und Nürnberg Anflüge rechtzeitig und konfliktfrei runter zu nehmen und bei all dem auch noch ökonomisch und kundenbezogen zu arbeiten. Flieger nicht zu früh runter nehmen, andere möglichst früh rauf, Rates nur geben, wenn sie nötig sind, und so weiter.
Die Anforderung steigen langsam. Zudem kommen innerhalb eines Monats noch zwei weitere Sektoren dazu. Daher heißt es: Punkte lernen, Luftstraßen lernen, Koordinationspunkte lernen, Frequenzen lernen, Absprachen lernen. Auch wenn es sich vielleicht liest, als würde das nerven. Ganz im Gegenteil, und das ist das schöne an der Ausbildung: Es macht verdammt viel Spaß. Und wenn man gut gelernt hat, entwickelt man sich sehr schnell im Simulator. Wenn dann die Idee, die man in der Planung hatte umsetzt und es genau so klappt, wie man es sich vorstellt, dann ist das ein sehr tolltes Gefühl.
Übrigens eine nette Geschichte bzgl. Langen International, die gerne von dem einen oder anderen Coach erzählt wird: Als eben jener Flugplatz in der Simulation noch recht neu war, wurder hier an der Akademie ein Tag der offenen Tür veranstaltet. Also Folge des viel zu oft erwähnten Langen Internationals EDDY, mit drei Pisten und einem geplanten Verkehrsaufkommen, dass an Frankfurt International EDDF herankommt, dachten doch tatsächlich einige Langener, dass es sich hierbei um den Plan eines echten Flughafens handelt. Und prompt wurden die den Fliegereibegeisterten nur all zu bekannten Vereinigungen gegründet, die gegen den Bau vom Langen International Arbeit waren. Die DFS konnte sich vor Beschwerdeemails, - briefen - und anrufen nicht mehr retten und so brauchte es eine Weile, bis alle verstanden hatten, dass es sich dabei nur um den Flughafen im Simulator handelte.
Wie weite Kreise das wirklich zog, vermag ich nicht zu beurteilen. Es ist ja auch immer so, dass bei solchen Geschichten noch jeder seine eigenen Elemente zur Erhöhung der Dramatik hinzufügt. Eine witzige Geschicht ist es, wie ich finde, trotzdem.
In diesem Sinne
Hauke
PS: Wer einen Tipp bzgl. Socken hat: Immer her damit
Samstag, 28. Februar 2009
Es geht weiter
Da ich noch 10 Minuten habe, bis die NBA Übertragungen beginnen, habe ich mir gedacht: "Hauke, schreib doch mal wieder was!"
Und zack hier bin ich und schreib was - mal wieder.
Ich habe die Prüfungen im Basic alle erfolgreich absolviert, in der Englischeinstufung Level 4 bekommen und befinde mich nun im Rating A. Bevor es da allerdings richtig losging, habe ich erstmal 14 Tage verdienten (?) Urlaub bekommen. Nicht nur ich ... sogar der ganze Kurs. Wahnsinn! Die Towerleute haben sogar drei Wochen bekommen. Dafür haben die Mitte des Jahres keinen Urlaub. Ausgleichende Gerechtigkeit.
Im Urlaub bin ich wieder Rettungsdienst gefahren, war auf Feiern oder habe mich von eben jenen erholt. Bevor es dann wieder an der Akademie richtig losgehen sollte, musste ich erstmal umziehen. Unser ganzer Kurs ist vom Gästetrakt umgezogen in den Bereich, der eigentlich für Azubis vorgesehen ist. D.h.: größerer Schreibtisch, viel mehr Schränke, Regale und Ablagen und ein kleineres Bett. Da ich aber eh immer in der Fötusstellung schlafe, ist mir das egal.
Im Rating A selbst haben wir erstmal ein 6 wöchiges Towermodul, was mit einer theoretischen, aber ohne praktische Prüfung abgeschlossen wird. Nach nur zwei Tagen Theorie ging es gleich in den 2D Tower Simulator. Das erste mal kamen wir mit deutschem Funkverkehr in Berührung. Erstmal etwas ungewohnt, aber ich habe mich schnell dran gewöhnt und auch wenn ich weiß, dass ich das Towerbusiness ganz bewusst nicht gewählt habe, so machen mir die Runs mit steigendem Traffic sehr viel Spaß. Ab und zu lassen sich die Coaches mal was einfallen, wenn die merken, dass alles rund läuft. Dann muss man umdisponieren, hier mal einen Flieger anhalten oder doch den verlängerten Gegenanflug statt dem direkten Queranflug wählen. So stell ich mir Flugsicherung vor :-). Neu in dem Simulator ist, dass wir nicht mit echten, sondern virtuellen, bzw. elektronischen Streifen arbeiten. So richtig mit anfreunden kann ich mich damit nicht. Wir haben mal einen Run gefahren, wo ein Ausfall simuliert wurde und wir dann doch auf normale Streifen zurückgreifen mussten. Lief alles gleich viel runder und das klickern der Streifenhalter hat irgendwie ein beruhigende Wirkung auf mich :-D
In den großen 3D Simulator werden wir nie kommen. Schade eigentlich, ein paar Runs hätte ich da schon gerne gefahren. Aber gut, wie schon gesagt: Das Towerbusiness werde ich ja nicht weiter vertiefen. Aber schön, die Basics zu kennen. Auch wichtig für den Beruf später. Nicht zu unterschätzen ist auch die Tatsache, dass wir damit eine super Vorbereitung auf die spätere AZF, BZF I und II Prüfung, sprich die Sprechfunkzeugnisse bekommen. Im Grunde müssen wir da dann keine deutschen und englischen Phrases mehr pauken, da wir die alle schon aus dem Sim kennen. Quasi ein Selbstläufer. Hoffe ich.
Zu erwähnen wäre da vielleicht noch der Besuch im Hahn Tower, den ich gestern mit drei anderen Leuten unternommen habe. War mehr so eine spontane Einladung, die ich da erhalten habe. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie weit Frankfurt/Hahn von Frankfurt weg ist. Das sind über 100km. Der Towerlotse erzählte uns fleißig und bereitwillig von seiner Arbeit, jagte zwischendurch ein paar Flieger über die Piste und erzählte dann weiter. Es sollte betont werden, dass diese fälschlicherweise oft als Regionalflughäfen bezeichnete Flugplätze auch ihren Trafficload haben und die Arbeit herausfordern und interessant ist. Dass die Jungs und Mädels dort oft nicht also so vollfertige Lotsen, wie die bei der DFS angesehen werde, ließ der Kollege durchaus mal durckblicken.
Sonst war's das eigentlich, außerdem spielt Orlando jetzt gegen Philadelphia!
mfG,
Hauke!
Dienstag, 6. Januar 2009
Mal auf die Uhr geschaut?
Dientag 6.1.2009 - 15:07
Mal auf die Uhr geschaut?
Man könnte ja fast in verspätete Weihnachtsstimmung kommen, wenn man hier aus der Akademie so aus dem Fenster schaut. Eine dicke Schneeschicht bedeckt Langen. Und aufgrund der tiefen Temperaturen bleibt der wohl auch erstmal eine Weile liegen.
Wie hätte es auch anders sein sollen: Der Wettereinbruch kam genau dann, als ich gerade aus meinem Urlaub zurück auf dem Weg hier an die Schule war. Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 30 km/h schleppten wir (ich war zum Glück nicht alleine) uns die Kassler Berge hoch, vorbei an all denn liegen gebliebenen LKWs.
Was genau macht man eigentlich, wenn man nach vier Monate Akademiezeit in den ersten Urlaub geht? Jeder normale Mensch würde sagen: Erholen, verreisen, Partys feiern und lange schlafen. Ich dagegen habe mich wieder dem Rettungsdienst widmen können und so habe ich 5 von 14 Tagen wieder an der Rettungswache Achim verbracht. Und den Rest habe ich das getan, was auch normale Menschen im Urlaub eigentlich tun ... naja, bis auf verreisen.
Dass ich schon ein viertel Jahr hier an der Akademie bin und am 14.1. meine letzte Prüfung im Basiccourse habe (neben einer Praktischen am 18.) mag ich eigentlich gar nicht glauben. Sowieso ist das Jahr 2008 quasi komplett an mir vorbeigerauscht. Es ist so viel passiert in nur 365 Tagen, dass man gar keine Chance hatte, mal auf die Uhr zu schauen. Die ganzen Erwartungen, Befürchtungen, Hoffnungen, mit denen man hier an die Akademie gekommen ist ... all das sieht man teilweise jetzt in den Augen derer, die hier neu einziehen. Und es kommen noch viele. Gerade gestern wurde schon der zweite Kurs nach uns Willkommen geheißen. Nicht, dass ich mich alt fühlen würde. Dafür laufen hier noch viel zu viele rum, die schon viel weiter sind. Aber wenn ich mir überlege, dass ich in einem Jahr hier schon wieder fertig bin ... wann soll ich da schon auf die Uhr schauen.
Die Theorie des Basickurses haben wir schon komplett durchgekaut. Fast gar nicht zu glauben, wenn man sich die 1 1/2 Meter Unterrichtsmaterial so anschaut. Und so haben wir jetzt einige Tage vor uns, in denen wir nur im Simulator sind. Eine sehr willkommene Abwechslung, aufzustehen, ca. 2-3 Stunden im Sim zu verschwinden und dann frei zu haben. Das ein oder andere Mal muss man auch erst später hin, dann darf man sogar noch ausschlafen vorher. Aber so viel Freizeit einem dann auch zu Verfügung stünde ... da ist ja noch die Prüfung am 14. Und so ist Nachmittags lernen angesagt. Da der Stoff aber zum Glück schon gut sitzt, nenne ich das mal eher Auffrischen. Viel ist es trotzdem, aber machbar. Denk ich ;-)
Auch der praktischen Prüfung schaue ich sehr gelassen gegenüber. Zwar war der gestrige Run, der auch gleichzeitig der erste nach dem Urlaub war, noch etwas wacklig, dafür klappte es heute bei einem fast identischen Run um so besser. Man muss sich ja erstmal wieder dran gewöhnen. Neue Dinge lernen wir nicht mehr, es kommen nur noch das dran, was wir ohnehin schon gemacht haben. Denn letztlich wird auch die Prüfung dann eine Zusammenfassung der praktischen Simulatorruns der vergangenen Woche sein.So ein bisschen kriegt man dann natürlich auch ein Auge für Konflikte. Wenn zwei Flieger in der selben Höhe in den Sektor einfliegen, kann man davon ausgehen, dass sie sich irgendwo auch treffen, wenn man nichts macht. Flieger die steigen oder sinken wollen, gehen sogut wie immer bei anderen durch das Level und so muss man sich auch da was einfallen lassen. Spaß macht's aber auf jeden Fall, denn so sind die Runs nun wesentlich interessanter, als am Anfang noch. Und vor allen Dingen interessanter als die FIS Woche (Flight Information Service).
Dieser beschränkt sich darauf, den Piloten den ganzen Tag nur Infos zu geben. Wie ist das Wetter hier und dort, was für Beschränkungen gibt es heute, wo befinden sich andere Flieger. Anweisungen darf man, mit Ausnahme der Gefahrenabwehr, nicht geben. Sowohl bei den Coaches als auch uns Schülern hält sich die Begeisterung für sowas natürlich in Grenzen, da dafür viele Stunden angesetzt sind. Und schließlich wollen wir ja Flugverkehrskontrolle machen. In der Prüfung wird das auch nur beiläufig vorkommen, wenn mal ein Flieger einen anderen kreuzt. Kurze Traffic-Info und der FIS Part ist abgehakt.
Die ersten zwei Februarwochen haben wir dann wieder Urlaub und wie sollte es anders sein, ich werde natürlich wieder Rettungsdienst fahren. Danach ziehen wir an der Akademie um. Vom Gästetrakt ziehen wir in den Trakt, der für uns Azubis eigentlich gedacht war, bisher aber noch voll war. Dann haben wir (also unser ganzer Kurs zieht zusammen, nachdem wir bisher mehr oder weniger getrennt waren) größere Schreibtische, ein größeres Regal, eine groooooße Pinnwand und ein Gemeinschaftsraum direkt vor den Zimmertüren. Ich habe mich in meiner Butze zwar schon irgendwie richtig gut eingelebt, aber die Vorteile des anderen Zimmers überwiegen dann doch.
Und dann geht es endlich los: Das Rating A. Die Wege von Tower und Center trennen sich. Wie lernen unseren, die Hochsitz'ler ihren Kram. Ich bin gespannt, wie's wird und vor allen Dingen, wie sich die Simulatorruns entwickeln. Was so alles dazu kommen wird. Zumal wir auch ein Towermodul (inklusive Sim) bekommen. Das wird toll :-)
Mehr fällt mir jetzt gerade nicht ein und außerdem habe ich Hunger!
Ich hoffe, mein 11. Beitrag lässt nicht ganz sooo lange auf sich warten.
Weitermachen!
Dienstag, 4. November 2008
Endlich Simulator
Endlich Simulator
Wollte eigentlich schon längst mal wieder schreiben, bin aber einfach nicht dazu gekommen. Jetzt habe mich mir die halbe Stunde einfach mal genommen, bevor die Abstände zwischen den Beiträgen zu groß und die Lücken in meinem Gedächtnis zu groß werden.
Zunächst einmal habe ich die erste Prüfung erfolgreich bestanden. Hier im Basiccourse, der noch bis Ende Januar läuft, schreibt man insgesamt drei dieser Prüfungen. Früher waren es wohl knapp 20 und dafür in jedem Fach eine, nun ist es so, dass der Stoff gebündelt in einer Prüfung kommt. Quasi von jedem ein bisschen. Die Prüfungen sind so aufgebaut, dass man größtenteils Multiple Choice Frage bekommt, einige, wo man feststehende (Zahlen)Werte eingeben und wenige, wo man freien Text schreiben muss. In der ersten Prüfung hatten wir 129 Fragen.
Unsere Prüfung ist generell erstaunlich gut ausgefallen, es gab überdurschnittlich viele mit 90% und mehr. Auch im parallel laufende Towerkurs haben alle bestanden.
Bereits am 26.11. schreiben wir die zweite Prüfung. In dieser werden Fächer, wie NLE (National Legeslation) und DFS (alles, was die Firma an sich betrifft) wohl eher weniger vorkommen, dafür ATM (Air Traffic Managment) und NAV (Navigation) größere Schwerpunkte haben. Kann mir nur Recht sein, da mir diese praxisbezogenen Dinge viel mehr liegen.
Kurz vor der Prüfung haben wir das Heiligtum eines jeden Lotsen (auf jeden Fall: MEIN Heiligtum) bekommen. Die Headsets. Machte mich schon irgendwie ein bisschen stolz endlich mein Arbeitsgerät in den Händen zu halten. Da die Dinger wohl sehr empfindlich sein sollen, gerade am Anschluss, befürchte ich jedoch, dass das nicht mein letztes gewesen sein wird ;-).
Morgen, also am 5.11. darf ich das Headset dann auch das erste mal benutzen, denn wir fahren unseren ersten Simulator-Run. Ich freue mich schon total drauf, auch wenn wir natürlich noch nicht schöne Flugzeugperlenketten basteln dürfen. Es geht los mit "Lufthansa one two three, Langen Radar, identified, climb flight level one three zero", und später dann "Lufthansa One Two Three, Contact Frankfurt Radar on one two four decimal seven zwo five!". Für viele definitiv schon eine Herausforderung, da man parallel ja auch noch die Flugstreifen bearbeitet (z.B. acutal time overhead "ATO" notieren) und sich trotz der Nervosität etwas zusammenreißen will. Viele, viele neue Informationen und Aufgaben, die es zu meistern gibt, über die ein fertiger Lotse, wahrscheinlich sogar der Kurs vor uns (der nur einen Monat länger hier ist, als wir) nur schmunzeln würde. Für uns Frischfleisch dagegen eine Herausforderung.
Aber definitiv eine, auf die man sich freut. Und natürlich ist es auch normal, dass man so anfängt und step by step mehr macht. Wie soll das auch sonst funktionieren?
Im Schnitt haben wir 2-3 in der Woche Simulator, wobei man grundsätzlich einen 30-45 Minuten Run fährt. Die restliche Zeit berechnet man mit den Anderen zusammen Entfernungen, guckt sich Aircraftperformances an oder beschäftigt sich andernweitig mit Dingen, die für die Simulatorübungen interessant sein könnten.
Ansonsten erfreue ich mich hier auf der Akademie meines Lebens und genieße die Zeit. Da aus dem Joggen irgendwie nichts geworden ist und ich mich nach wie vor für Volleyball nicht begeistern kann, gehe ich jetzt einmal die Woche zum Schwimmen. Zwar hat das Hallenbad keine Rutsche, aber irgendwas ist ja immer. Mein Zimmer wird auch immer wohnlicher und in der Stadt entdeckt mehr und mehr nette Ecken.
Bis zum nächsten Mal,
Hauke
Sonntag, 19. Oktober 2008
Die Konkurrenz schreibt ...
Einer davon hat den "Business as asual" Beitrag zum Anlass genommen, ebenfalls über seinen Alltag hier an der Akademie zu schreiben. Dieser sind insofern anders als, als dass er 4 Monate vor Abschluss der Ausbildung steht und somit größtenteils das Simulatortraining genießt.
http://zarlock.wordpress.com/2008/10/19/a-day-at-the-office/
Viel Spaß also beim Lesen. Das Ganze ist in Englisch verfasst!
An dieser Stelle auch ein Hinweis auf meine zweite Verlinkung, wo über die Ausbildung zum Freiballonpiloten geschrieben wird. Der Blog ist noch in den Kinderschuhen, wird sich aber hoffentlich bald füllen. Reinschauen lohnt sich!
mfG,
Hauke
Freitag, 3. Oktober 2008
Business As Usual
Business As Usual
Es ist langes Wochenende. Heute feiern wir den Tag der deutschen Einheit und ich verbringe ein paar angenehme Stunden in meiner Heimat. Ich wurde am gestrigen Abend von meinen Eltern gefragt, wie eigentlich so mein ganz normaler Tag aussieht und da habe ich den Beschluss gefasst, das aufzuschreiben. Wie also muss man sich den Alltag an der Akademie vorstellen? Wie sieht er bei mir aus?
Klingeln tut mein Wecker das erste Mal um viertel vor 7 in der früh, ein zweites Mal dann um viertel nach 7. Wir haben es jetzt 30 Minuten vor Unterrichtsbeginn. Das erste Frühstück lasse ich ausfallen, da ich nach dem Aufstehen nie sofort Hunger habe. Das hole ich in der zweiten großen Pause meistens nach.
Ich liege also noch schlaftrunken im Bett und gewöhne mich langsam an das Licht. Irgendwann spring ich dann aus den Federn, betreibe die normale Körperhygiene, Bürste mir die Beißerchen und zieh mir was an(sollte man morgens immer dran denken, sonst gucken die anderen komisch). An der Wand hängt der aktuelle Stundenplan, es werden die entsprechenden Ordner in die Tasche gepackt, eine Buddel Wasser muss auch mit, und dann marschier ich gen Unterrichtstrakt.
Das Gästehaus ist direkt mit der Akademie verbunden, weswegen ich quasi nicht „raus“ muss. Es ist jetzt spätestens 7:40h. Auf dem Weg zum Unterrichtsraum im zweiten Stock schaue ich im Postfach nach, ob für jemanden was gekommen ist. Hierüber erhält man auch z.B. neue Stundenpläne.
Der Unterricht läuft ab, wie ein Unterricht halt abzulaufen hat und nach 90 Minuten hat man dann die erste große Pause. Ich weiß jetzt ehrlich gesagt gar nicht, wie lange die genau ist, aber es reicht definitiv, um zu Frühstücken. Leider gibt es immer schon um 11:20 Mittag, daher erspare ich mir trotz des großen Loches in meinem Bauch ein ausgiebiges Frühstück und mampf ein belegtes Brötchen. Manchmal auch zwei. Und wenn ich von der Mittagskarte nicht begeistert bin, naja, dann gibt es doch ein großes Frühstück, mit allem, was das Herz begehrt.
Wie schon erwähnt, nach weiteren 90 Minuten Unterricht dann die Mittagspause. Die Kantine ist in der Unternehmenszentrale, die neben der Akademie ist. Dort hat man mindestens drei Speisen zur Auswahl, davon eine vegetarisch. Es gibt noch „Daily Special“ und „Vom Grill“. Meistens findet sich für jeden irgendwas Passendes. Bezahlen tut man mit seinem Ausweis, den man zum Ausbildungsbeginn bekommen hat. Auf diesem muss man selbst regelmäßig an Automaten Geld aufladen, was dann von der Karte abgezogen wird. Zwischen 3-5 Euro bezahlt man dann für das essen, je nachdem, ob man sich noch einen Salat dazu nimmt, was zu trinken oder ein Dessert.
Es folgen zwei weitere Unterrichtsblöcke (manchmal auch nur einer) und dann ist quasi Feierabend.
Das jetzt folgende variiert natürlich von Tag zu Tag.
Je nachdem, was mir gerade am Wichtigsten erscheint bzw. aktuell ist, werden erstmal die Pflichten der Selbstversorgung erledigt: Zimmer aufräumen, Wäsche zusammen legen oder aus dem Waschraum holen, Einkaufen fahren, Leergut wegbringen, usw.
Ich für meinen Teil brauch dann so meine Stunde für mich, wo ich zum einen meine Ruhe habe und zum anderen meinen Kopf abschalte. Surfen, Emails checken, Blogbeiträge verfassen, Call of Duty 4 zocken. So was halt.
Dann ruft aber irgendwann wieder die Pflicht: Lernen. Zunächst eine Unterrichtsnachbereitung aber auch Vorbereitung auf den Unterricht des darauffolgenden Tages. Das Ganze kann zeitlich ganz unterschiedlich sein. Manchmal mache ich es alleine, manchmal mit jemand zusammen. Generell bleiben Sachen besser hängen, wenn man sie anderen erklärt. Da merkt man erst, ob man es selber auch wirklich verstanden hat.
Ist auch das geschafft, möchte ich eigentlich immer Sport machen. Aber entweder spielen die anderen Volleyball (ich hasse Volleyball) oder ich bin einfach zu kaputt, um jetzt noch was zu machen. Ich hatte ja eigentlich vor, wieder zu einer richtigen Sportskanone zu werden, aber der Funke ist irgendwie noch nicht übergesprungen. Ich hoffe, ich kriege es bald mal hin, regelmäßig zu joggen. Ein bisschen Sorge habe ich da mit der Wäsche.
Wäsche waschen ist nämlich Glückssacke, da die 4 Waschmaschinen im Dauerbetrieb und somit quasi immer belegt sind. Manchmal muss man auch einfach mal nachts gucken, ob mal eine frei ist.
Und ich habe irgendwie wenig Lust, mich ständig um eine freie Waschmaschine zu bemühen, weil sich meine Wäscheberge durch sportliche Aktivitäten verdoppelt haben. Ich bin mir aber sicher, dass ich da einen guten Weg finden werde, damit ich auch wieder Sport machen kann. Ich will auf jeden Fall!!
Ansonsten gestaltet sich das Freizeitprogramm ganz flexibel. Mit den Leuten aus meinen Kurs was machen, in der Cafeteria Fußball gucken, Filmchen gucken, auf dem Bett liegen, zum Flughafen fahren, Dönerbuden suchen, nach Frankfurt fahren, und so weiter und so fort.
Habe ich noch was vergessen? Ich glaube nicht. Jetzt müsste es auf jeden Fall zwischen 22 und 23 Uhr sein und ich flausch mich in mein Bett, kontrollier noch mal meinen Wecker und mach dann das Licht aus.
Gute Nacht!
Hauke
Donnerstag, 25. September 2008
Ordnerphobie
Ordnerphobie
Seit meinem letzten Beitrag ist viel Zeit ins Land gegangen. Naja, eigentlich sind 15 Tage nicht viel und sie gingen auch viel zu schnell rum, aber wenn ich mir überlege, was in den 15 Tagen so passiert ist, frage ich mich doch manchmal, wie das alles da rein gepasst hat.
Ich hatte ja erzählt, dass wir die ersten 14 Tage ausschließlich Englisch hatten. Diese 2 Wochen sind vergangen Freitag vorbei gewesen und wurden mit einer mündlichen Englischprüfung abgeschlossen. In 20 Minuten mussten wir zwei Prüfern zwei Flugzeuge beschreiben, sie vergleichen und Fragen dazu beantworten. Direkt im Anschluss das gleiche mit einem Flughafen, sprich: Beschreiben, Erklären, Fragen beantworten. Zwar fühle ich mich generell vor mündlichen Prüfungen immer etwas aufgewühlt, aber wenn dann im Test selbst die ersten ein – zwei Sätze gesprochen sind, überwiegt die Konzentration auf das Wesentliche. Da hilft die Anspannung dann auf einmal, das Ganze dann doch nicht zu locker zu sehen.
Die Prüfung an sich lief sicher und ich hatte nie das Gefühl, den Faden zu verlieren. Am Ende war es dann so, dass alle bestanden hatten. Das überraschte eigentlich auch nicht. Im Grunde war ich froh, dass Englisch jetzt vorbei war. Nicht, dass es keinen Spaß gemacht hätte, ganz im Gegenteil. Aber ich wollte jetzt endlich Unterricht in LAW, Radiotelephonie, Air Traffic Management, Aircraft usw. haben.
An dem Wochenende, da ja nun erstmal nichts zu lernen war, fuhr ich wieder nach Hause und trank mit meinen Kumpels das ein oder andere Bier und berichtete fleißig. Mit Begeisterung erzählte ich jedem geduldig das Resümee der vergangenen zwei Wochen wieder und wieder. Auf der einen Seite war es schön, wieder zu Hause zu sein, auf der anderen Seite freute ich mich aber auch auf Montag.
Nicht nur, dass der Stoff nun mehr werden würde, nein, auch meine Ordnersammlung wurde alle 90 Minuten, also bei neuem Fach, größer und größer. Inzwischen weiß ich nicht mehr wohin damit. Wobei ich heute in meinem Kleiderschrank etwas umdisponiert habe und meine Ordner nun da Platz finden, wo vorher meine Unterhosen lagen. Also die sauberen natürlich. Bald soll es auch Regale geben und dann ist das Problem quasi ganz aus der Welt.
Inzwischen kann ich sagen, dass das Pensum echt angezogen wurde, es aber auch richtig gut vermittelt wird. Nacharbeiten ist Pflicht und wird natürlich auch Gewissenhaft durchgeführt, aber im Grunde entstehen wenig Fragen und man muss nur zusehen, dass man sich das in seine Langzeitsubroutinen einpflanzt. Da aber alles aufeinander aufbaut und ständig fächerübergreifend gearbeitet wird, ist ein zusätzlicher Lerneffekt gegeben. Es ist halt nicht wie in der Schule, wo Religion, Mathe und Erdkunde schlicht und ergreifend null Bezug zueinander haben und man alle Schienen quasi parallel fährt.
Generell gibt es so Fächer wie Deutsch, Mathe oder Wirtschaft nicht. Der Unterrichtsplan ist wirklich rein auf den Beruf Fluglotse zugeschnitten. Finde ich persönlich sehr gut!
Langsam rückt das Wochenende näher (dieser Beitrag wurde über mehrere Tage verfasst und inzwischen ist es Donnerstagabend 22:30) und plane natürlich hier zu bleiben. Jedes Wochenende 480 Kilometer zu fahren, wäre utopisch. Auf dem Plan steht eine Cocktailbar, ein Treffen mit einem Kumpel aus meiner Heimatstadt, der hier in der Ecke studiert, ein Besuch am Flughafen Frankfurt und natürlich auch Lernen.
Nächste Heimreise ist dann nächstes Wochenende geplant, da wir da schon am Donnerstag Wochenendbeginn haben. Am Freitag feiern wir den Tag, an dem wir uns die Ostdeutschen ins Boot geholt haben: Der Tag der deutschen Einheit. Da mir hierdurch quasi ein Tag mehr zur Verfügung steht, lohnt es sich schon, nach Hause zu fahren. Dauerzustand wird dieser 14- Tage Rhythmus allerdings nicht bleiben. Wann ich dann wieder nach Hause fahre, kann ich absolut noch nicht sagen. Mal schauen.
Die versprochenen Bilder müssen leider noch etwas auf sich warten. So ganz habe ich irgendwie noch nicht die Zeit gefunden, mich damit mal intensiver auseinander zu setzen.
Ich berichte wieder, wenn’s was Neues gibt.
Vielen Dank fürs Lesen!
Hauke